PT Kizone

Was repräsentiert adidas? Was repräsentierst du? Und was ist eigentlich in Indonesien los?

Adidas ist nach Nike die weltweit zweitgrößte Sportartikelmarke mit einem Gewinn von 671 Mio. US-Dollar in 2011 (siehe Adidas-Geschäftsbericht 2011, S.2). PT Kizone war ein Unternehmen mit ca. 2.800 ArbeiterInnen in Tangerang, Indonesien, das für Adidas, Nike, die Dallas Cowboys und kleinere Marken vor allem Universitäts- und Merchandisingbekleidung für den US-amerikanischen Markt herstellte – ein Multi-Millionen US-Dollar schwerer Markt.

Trotzdem musste die Zulieferfabrik nach längeren Schwierigkeiten im April 2011 Bankrott anmelden, die Beschäftigten saßen auf der Straße und mit ihnen 3,4 Mio. US-Dollar ausstehende Lohn- und Entschädigungszahlungen, die ihnen in der Fabrik vorenthalten wurden. Damit fehlten jede_r Arbeiter_in von PT Kizone fast ein ganzes Jahresgehalt.

Ein Teil dieser Zahlungen wurden bereits von den größeren Einkäufern an die ArbeiterInnen gezahlt. Adidas wehrt sich allerdings bis heute, Verantwortung zu übernehmen und seinen verbleibenden Anteil von  1,8 Mio. US-Dollar an die Beschäftigten von PT Kizone zu bezahlen.

Adidas argumentiert:

  1. Wir haben zur Zeit der Schließung nicht bei PT Kizone produziert.

Fakt: Adidas gibt mal an, im Juni 2010, fast ein Jahr vor Schließung der Fabrik, dort keine Aufträge mehr platziert zu haben. An anderer Stelle heißt es, dass die Aufträge im November 2010 abgezogen wurden. Wahrheit ist, dass Adidas laut eigenen Lieferverträgen noch Anfang 2011 in der Fabrik aktiv war. Zu dieser Zeit steckte PT Kizone bereits tief im Schuldenberg und die ArbeiterInnen warteten auf ihren Lohn.

  1. Adidas ist nicht dazu verpflichtet, Verantwortung für Zulieferer zu übernehmen.

Fakt: Adidas hat sich selber einen glitzernden sozialen Verhaltenskodex auferlegt. Doch leider ist dieser rechtlich nicht bindend. Allerdings unterliegen Verträge vieler US-amerikanischer Universitäten mit ihren Handelspartnern einem rechtlich verpflichtenden Sozialkodex. Dieser vom Workers‘ Rights Consortium (WRC) formulierte Passus macht die Handelspartner für das Verhalten aller Akteure in ihrer Lieferkette rechtlich verantwortlich („to require licensees to ensure compliance by contractors, as well as directly-owned factories“ 1). Adidas hat diesen Kodex bei seinen Vertragsabschlüssen unterschrieben und hat damit auch Verantwortung für nicht gezahlte Löhne übernommen.

Die Höhe der Entschädigungszahlungen werden vom indonesischen Arbeitsrecht, Act No. 13, 2003, geregelt.

  1.  Adidas unternimmt andere Schritte zur Unterstützung der PT Kizone-Beschäftigten.

Fakt: Adidas unternimmt in der Tat andere Schritte, allerdings kommen dieser einer Farce gleich und verschlimmern die Situation der Arbeiter_innen.

Der Sportriese offerierte den Arbeiter_innen ein „Angebot“: je ein Gutschein über ca. 50 US-Dollar (statt ca. 640 US-Dollar errechneter Entschädigung), einlösbar in einer für indonesische Verhältnisse überteuerten Supermarktkette, Alfamart. Die Beschäftigten lehnten dies mehrfach ab: Schulgebühren für ihre Kinder und andere Ausgaben ließen sich nicht mit Supermarkt-Gutscheinen bezahlen.

Danach bot adidas an, die Arbeitslosen in anderen Zulieferfabriken einstellen zu lassen. Allerdings nicht die älteren Menschen, nur mit zeitlich befristeten Verträgen, in weit entfernten Unternehmen und nicht diejenigen, die die Annahme des Gutscheins immer noch konsequent verweigern. Jeglicher Kontakt zu der in PT Kizone aktiven Gewerkschaft DPC SPSI TSK wurde verweigert.

Zu guter Letzt veranstaltete adidas und die Fair Labour Association (FLA)am 23. Oktober 2012 in der Schweiz einen Gipfel, der einen gemeinsamen Fond zur zukünftigen Kompensierung von Lohnausfällen durch Fabrikschließungen „diskutieren“ sollte. Drei Kritikpunkte dazu:

  • Mitarbeiter_innen von PT Kizone wurden nicht zum Gipfel eingeladen.
  • Obwohl langfristige, strukturelle Verbesserungen natürlich befürwortet werden sollten – einer schnellen Lösung für die PT-Kizone-Arbeiter_innen kommt man mit einer solchen scheinheiligen Veranstaltung nicht näher.
  • Die FLA ist eine Arbeitsrechtsorganisation, die Produktionsbedingungen bei Nike, adidas, Apple, H&M usw. überprüft und auch von diesen finanziert wird – kein glaubwürdiger Akteur.

Hintergrundvideo über den Fall PT Kizone

Adidas verstößt mit seinem Handeln gegenüber den Arbeiter_innen von PT Kizone gegen rechtliche und moralische Standards. Die Beschäftigten befinden sich seit April 2011 im Kampf gegen die Repressionen durch adidas: sie fordern ihre Entschädigungszahlungen ein, sie fordern Wiedereinstellung und sie fordern ein Umdenken in den Führungsetagen von adidas!

Bereits drei US-amerikanische Universitäten (Cornell University, New York; University of Wisconsin; Oberlin College, Ohio) haben ihre Verträge mit adidas aufgekündigt, mehrere andere prüfen ihr weiteres Vorgehen (u.a. University of Washington). Globalisierungskritische und Arbeitsrechtsgruppen in Großbritannien, den USA, den Niederlanden, Deutschland, El Salvador und anderen Ländern haben ihre Solidarität mit den Arbeiter_innen von PT Kizone erklärt und unterstützen sie in ihrem Kampf.

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What does adidas #represent?

 
 
Quellen:
 1Worker Rights Consortium: Worker Rights Consortium Assessment PT Kizone (Indonesia). Findings, Recommendations and Status, S.3
² Adidas Group: Together We Win. Adidas Group Geschäftsbericht 2011, S.2
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